Schlagerbarde in
rockigem Gewand
Peter Maffay spielt vor 12000 Fans
8. Juni 2009

Von Tobias
Korn
Langenselbold. Pünktlich um 19.45 Uhr reißt über dem Segelflugplatz
in Langenselbold der Himmel auf und taucht die Hessentagsbühne in
ein warmes Licht. Für die abergläubischsten der rund 12000
Peter-Maffay-Fans ist das ein Zeichen. Für den Star des Abends
bedeutet es bloß, dass er schon während des ersten Liedes die
Lederjacke ausziehen kann. Maffay muss seinen 59 Jahre alten Körper
nicht verstecken: Durchtrainiert wie ein junger Leistungssportler
hüpft der 1,68 Meter große Sänger zwei Stunden lang von einer Ecke
in die andere, ohne dass ihm die Gesichtszüge entgleisen.
Das Konzert
in Langenselbold ist eine von zehn Stationen einer Open-Air-Tournee,
die Maffay im Anschluss an seine dreimonatige Gastspielreise durch
sämtliche Hallen der Republik angesteuert hat. Auf die Ohren gibt es
einen Querschnitt aus 40 Jahren Maffay sowie Titel seines aktuellen
Albums „Ewig“ – manch einer mag bei diesem Titel denken, dass der
gebürtige Rumäne auch im biblischen Alter noch auf der Bühne stehen
wird. Zu hoffen bleibt dabei, dass auch die Band in ihrer
derzeitigen Besetzung noch eine Weile zusammen bleibt, denn noch nie
ist Maffay mit derart hochdekorierten Musikern auf Tournee gegangen.
So spielte
beispielsweise Percussion-Legende Ray Cooper schon mit Eric Clapton,
Pink Floyd, Elton John oder Sting. Nach einer dreijährigen Pause ist
auch Carl Carlton, ein „Meister der Slide-Guitar“ (Robert Palmer),
wieder Bestandteil der Stammformation. Ein Genuss ist auch das
druckvolle und intelligente Schlagzeug von Bertram Engel, der seit
mittlerweile 31 Jahren für Maffay arbeitet, aber schon in den
Diensten von Bruce Springsteen oder Udo Lindenberg stand.
Meisterlich ist auch das Spiel von Maffays Gastmusiker Jon Smith,
der von sich behauptet, mit dem Saxophon auf die Welt gekommen zu
sein.
Handwerklich ist das, was Maffay und seine Kollegen in Langenselbold
abliefern, nahezu perfekt. Über die Klasse der Kompositionen lässt
sich jedoch streiten. Die Stärken und Schwächen der neuen
Maffay-Stücke werden an dem Titel „Ich will nicht alleine sein“
deutlich. Der Text ist kitschig („Ich will heute Nacht nicht alleine
sein, fällt dir dazu vielleicht etwas ein“), die Tonlage für Maffay
etwas hoch. Allein die starken Gitarrensoli ziehen das Stück aus dem
Schlagersumpf und machen es zu einer recht flotten Rock-Ballade. Das
Publikum – Durchschnittsalter geschätzt 40 Jahre – antwortet darauf
mit stetem Kopfnicken und leichten Hüftbewegungen.
Es ist ein
dankbares Publikum, dass, mit Klassikern wie „Und es war Sommer“
gefüttert, auch den neuen Sound akzeptiert. Das war nicht immer so.
Anfang der Achtziger Jahre musste Peter Maffay durch den Dreck: Als
Vorgruppe der Rolling Stones wurde er als Schlagersänger angekündigt
und daraufhin mit Tomaten und Eiern beworfen. Doch Maffay bewies
Steherqualitäten: Bis heute hat er über 40 Millionen Tonträger
verkauft und mit 14 Platz-eins-Alben einen nationalen Rekord
aufgestellt. Als er noch ein kleines Licht am deutschen
Musik-Firmament war, gab er unweit vom Langenselbolder
Segelflugplatzes entfernt schon einmal ein Konzert. Mitte der
Siebziger spielte er vor ein paar hundert Interessierten im
Renaissance-Club in Neuenhaßlau. Auf dem Quittungsbeleg, der noch
immer existiert, ist die Gage notiert: 3000 Mark.
Mutter Courage
mit dem Holzhammer
"Der verkaufte Patient" von Renate Hartwig
22. März 2009

Bad Orb (tko). Der Warnhinweis war nicht zu überlesen: „Die Behandlungszeit für diesen Patienten ist abgelaufen“, stand da auf dem Bildschirm des Arztes. Renate Hartwig, die Patientin, las die Nachricht ebenfalls – das hätte der Arzt verhindern müssen. „Ich wollte einfach nicht verstehen, warum kranke Menschen behandelt werden wie kaputte Autos“, stellte sich Renate Hartwig die Sinnfrage, der sie als Sachbuchautorin bis heute fieberhaft nachgeht. In der Konzerthalle Bad Orb referierte sie über die aus ihrer Sicht chaotischen Zustände im deutschen Gesundheitswesen und nutzte zugleich die Gelegenheit, ihr aktuelles Buch vorzustellen.
„Der verkaufte Patient“ heißt die Arbeit, in der Hartwig auf 288 Seiten vor dem wachsenden Einfluss von Kapitalgesellschaften auf die medizinische Versorgung warnt. Patienten würden zu Kunden degradiert und Ärzte zu Marionetten eines Gesundheitssystems, in dem Bilanzen einen höheren Stellenwert hätten als die Bedürfnisse von Menschen (…)
Interview mit
Christoph Preuß
von Eintracht Frankfurt
24. Mai 2008
Trikots, Kappen, Autogrammkarten – Bundesliga-Profi
Christoph Preuß von der Frankfurter Eintracht signierte alles, was
ihm seine Anhänger in die Hand drückten. Im Fanshop „projekt
schmidtgasse“ nahm sich der „Adlerträger“ eine Stunde Zeit, um
sämtliche Wünsche zu erfüllen und auch einige Fragen zu beantworten.
Im GNZ-Gespräch stand Preuß Rede und Antwort.
Herr Preuß, sie haben verletzungsbedingt in dieser Saison nur sieben Spiele bestreiten können. Fühlen Sie sich noch als Fußballer oder bloß noch als Patient?Also ich fühle mich schon noch als Fußballer. Aber es ist natürlich schwer für mich, mit so einer Situation umzugehen. Es tut sehr weh, immer nur Zuschauer zu sein und der Mannschaft nicht helfen zu können.
Vergangene Woche haben Sie sich in Augsburg erneut
einer Kernspintomographie unterziehen müssen. Wie ist es um Ihren
Gesundheitszustand denn nun bestellt?
Es hat sich bei dieser Untersuchung
gezeigt, dass noch Absplitterungen im Knie vorhanden sind. Das
Gelenk muss jetzt neu aufgebaut werden und dazu ist eine weitere
Operation nötig. Mittlerweile kann ich die Befunde gut einschätzen.
Der Arzt lässt mich auch meistens zuerst auf die Bilder gucken
(lacht). Naja, ganz so ist es natürlich nicht.
Wann werden Sie wieder spielen können?
Ich hoffe, dass ich nächste Saison wieder
einsatzfähig bin. Doch am wichtigsten ist es natürlich, komplett fit
zu werden. Jetzt mache ich aber erst mal Urlaub.
Waren Sie mit der Leistung Ihrer
Mannschaftskameraden eigentlich zufrieden? Wie nah war die Eintracht
wirklich dran am UEFA-Cup?
Wir haben unser Ziel erreicht und der
einstellige Tabellenplatz ist ein großer Erfolg. Es wäre aber
vermessen zu sagen, dass wir nicht vom UEFA-Cup geträumt haben. Als
Fußballer willst du immer so viel erreichen, wie möglich.
Hoffenheim ist von Frankfurt nur etwas mehr als 100
Kilometer weit entfernt. Hat ein Spiel gegen eine Retortenmannschaft
den Namen „Derby“ verdient?
Also ich sehe das etwas anders. Es war ja
nicht selbstverständlich, dass ein derart zusammengewürfelter Haufen
hochkarätiger Spieler auch automatisch Erfolg hat. Insofern ist der
Aufstieg in die erste Liga schon eine große Leistung. Die Spieler
haben bewiesen, dass sie ihr Geld wert sind. Und sie haben sich mit
dem Aufstieg zusätzlich belohnt.
Interview mit Laith Al-Deen
3. Mai 2008
Mit einem ebenso direkten wie unaffektierten „Na, wie geht’s?“
begrüßte Laith Al-Deen eine Handvoll auserwählter Fans in seinem
kleinen Backstage-Raum. Schwungvoll nahm er einen Stuhl, drehte in
so, dass er beide Arme auf der Rückenlehne abstützen konnte und
blickte interessiert in die Runde. Mit so viel Offenheit hatte
offensichtlich keiner gerechnet. „Ich bin extra aus Thüringen
angereist“ brachte eine sichtlich berührte Dame über die Lippen und
rang dem Popstar ein überraschtes Gesicht ab. Erleichterung machte
sich in der Runde erst dann breit, als Laith Al-Deen seine
Aufmerksamkeit den Interview-Fragen widmete.
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Herr Al-Deen, die Stücke Ihres aktuellen Albums „Liebe zum Detail“
enthalten viele Moll-Akkorde. Man könnte fast meinen, Sie seien ein
melancholischer Mensch.
Nein, das stimmt nicht. Ich mag Moll, bin aber keineswegs
melancholisch. Natürlich mussten wir auch wieder sehr viel
Seelenmüll in die Titel abladen. Man nennt mich schließlich nicht
umsonst „Schmusepapst“ – das sehe ich mittlerweile übrigens als eine
Art Auszeichnung.
Für Ihren neuen Stil haben
Sie die Begleitung mit vielen akustischen Instrumenten besetzt. Wann
kommt die Big Band?
Also eine Big Band zu haben wäre schon ein Traum. Seit 2002 sind
wir immer mit zirka sieben Leuten auf Tour – ein beschaulicher
Flohzirkus. Jetzt sind auch ein paar Bläser hinzu gekommen. Das hat
schon was.
Einer Ihrer Produzenten, Ralf Hildenbeutel, hat früher mit Techno-DJ
Sven Väth zusammen gearbeitet. Kommt jetzt bald eine Electro-Platte?
Produzenten, die sich auch in diesem Bereich auskennen, sind
letztlich für den Popfaktor zuständig. Aber das Elektronische ist
uns mit der Zeit etwas abhanden gekommen. In Zukunft wird es aber
sicher wieder den einen oder anderen musikalischen Ausflug geben.
Der Klang muss sich schließlich immer wieder verändern.
Alles was Sie machen, wirkt immer sehr überlegt, fast schon
kontrolliert. Haben Sie keine verspielte Seite?
Wenn ich beim Schreiben meiner Texte zu ernst sein sollte, dann
gleiche ich das auf der Bühne mit viel Humor und Ironie aus. Ein
Problem habe ich allerdings mit Fernseh-Interviews. Da bin ich meist
todernst. Das Schlimmste ist, witziger als der Moderator zu sein.
Haben Sie eigentlich eine Marotte, irgendein Ritual, dass Sie bei
Ihren Auftritten vollführen?'
Also ich trinke vor jedem Auftritt einen Schnaps. Und ich stecke
immer Geld in die Hosentasche, bevor ich auf die Bühne gehe. Oje,
das klingt jetzt wohl furchtbar dekadent. Aber es reicht schon ein
Zehn-Euro-Schein, damit ich mich besser fühle. Ich weiß auch nicht
warum.
Das Trinkritual von BAP-Sänger
Wolfgang Niedecken
4. August 2007
Vor
einem aufgeklappten Schrein, geschmückt mit unzähligen
Konzerterinnerungen, huldigt Niedecken seinen Idolen: „Man kann es
schlecht sehen, aber hinter den ganzen Souveniers hängt ein Bild,
auf dem Bob Dylan, Keith Richards und Ron Wood zu sehen sind. Ich
nenne sie meine heiligen drei Könige.“ Dann füllt Niedecken, den man
im Rheinland auch als „Bob Dylan der Südstadt kennt“, ein paar
Grappa-Gläser und stimmt sich mit seinen Bandkollegen auf den
bevorstehenden Auftritt ein. Ab 21:30 Uhr ertönt die 20000 Watt
starke Anlage schließlich erstmals zur Musik der Kölner Kultband.
Mit „Nix Wie Bessher“ aus ihrem 1996 erschienenen Album „Amerika“
reißen BAP die Menge schlagartig mit.
Es folgen die Titel „Alexandra“ und „Ahl Männer“. Mit „Dreimohl zehn Johre“ zieht Niedecken, der seit 1976 als BAP-Frontmann die Fäden zieht, musikalisch Bilanz. Für das Schlosspark-Festival, das die viertletzte Station der „Greatest Hits Tour“ bildete, präsentiert Niedecken zudem ein musikalisches Sahnebonbon: „Wir waren lange auf der Suche nach einer Violinistin, die nicht nur gut spielt, sondern auch noch lecker aussieht. Jetzt hat es endlich geklappt.“ Zur BAP-Variante des Dylan-Klassikers „Hurricane“ bringt die Violinistin Anne de Wolff ihr virtuoses Geigenspiel erstmals ein (...)
Schlagerbarde in rockigem Gewand
Mutter Courage
mit dem Holzhammer
Fußballer und Medizinmann -
Interview mit Christoph Preuß von Eintracht Frankfurt
Schmusepapst mit Flohzirkus - Interview mit Laith
Al-Deen
Einen Schnaps auf Bob Dylan - Das Trinkritual von
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken
PDF-Dateien
Spessartchallenge 2009 in Bad Orb
Bericht
+
Ergebnisse
Spessart-Challenge 2008:
Bresser dominiert
Solar Decathlon 2007:
TU Darmstadt siegt